icons / 24px / close
Einstellungen erfolgreich gespeichert

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Mehr erfahren

Pocking Pfarrkirche außen ca 1915

Geschichtliches

Mit dem Wandel Pockings vom Dorf zur Stadt hat auch die Pfarrei ihr Gesicht verändert. Man würde nicht vermuten, dass die Geschichte des Ortes bis in die Antike zurückreicht.

Der HERR, dein Gott, hat dich auf dem gan­zen Weg, den ihr gewan­dert seid, getra­gen, wie ein Mann sein Kind trägt.”

Dtn 1,31

Pockings Weg in die Gegenwart

Pocking war bis ins 4. Jahr­hun­dert von den Römern bewohnt. Mög­li­cher­wei­se leb­ten hier bereits ers­te Chris­ten. Das ehe­ma­li­ge (heu­te abge­bro­che­ne) Kirch­lein St. Georg bestand mög­li­cher­wei­se bereits zu die­ser Zeit. Ende des 8. Jahr­hun­derts schenk­te ein ade­li­ger Pries­ter namens Cund­al­pereth an die Kir­che in Pas­sau eine Georg­kir­che. Mit einer gewis­sen Wahr­schein­lich­keit war das die abge­ris­se­ne Georgs­ka­pel­le in der heu­ti­gen St.-Georgen-Straße.

In der Karo­lin­ger­zeit bekam das Bene­dik­ti­ner­klos­ter Mond­see am ober­ös­ter­rei­chi­schen Alpen­rand zahl­rei­che Höfe vom unte­ren Rot­tal bis zum Inn geschenkt, dar­un­ter 820 in Pocking und schon 770 in Berg bei Pocking. Schön­burg war über Jahr­hun­der­te Ver­wal­tungs­sitz für die Klos­ter­gü­ter. Auch der Bischof und das Dom­ka­pi­tel von Pas­sau waren im heu­ti­gen Stadt­ge­biet begütert. 

Die heu­ti­ge Stadt­pfarr­kir­che St. Ulrich, benannt nach dem hel­den­haf­ten Ver­tei­di­ger der Stadt Augs­burg bei der sieg­rei­chen Ungarn­schlacht 955, wur­de wahr­schein­lich im 12. Jahr­hun­dert von einem ade­li­gen Ulrich von Pocking erbaut. Pocking, damals noch Eigen­kir­che eines Ade­li­gen, kam spä­ter als Vika­ri­at zur Pfar­rei Hart­kir­chen des Chor­her­ren­stifts St Niko­la in Pas­sau. Erst um 1600 wird Pocking ein selbst­stän­di­ges Pfarr­vi­ka­ri­at; nach den Wir­ren der Säku­la­ri­sa­ti­on erfolg­te am 2. Janu­ar 1806 die Erhe­bung zur Pfar­rei. 1717/18 wur­de ein statt­li­cher Pfarr­hof im baro­cken Stil erbaut, der den Orts­geist­li­chen bis 1972 Wohn- und Amts­räu­me bot. Bis ins 19. Jahr­hun­dert blieb Pocking ein Dorf ohne grö­ße­re Bedeu­tung, es stand im Schat­ten der umlie­gen­den Märk­te Gries­bach und Hart­kir­chen. Der Anschluss an das Eisen­bahn­netz in den Jah­ren 1879 bis 1888 brach­te eine Wen­de. Pocking wur­de zum Umschlag­platz für Zucht­vieh und Pfer­de und zum belieb­ten Ansied­lungs­ort für Gewer­be­be­trie­be. Ein ste­ti­ges Wachs­tum der Bevöl­ke­rung setz­te ein, das auch die Pfar­rei bedeu­tend ver­grö­ßer­te. Zähl­te die Pfar­rei im Jah­re 1861 1.628 Katho­li­ken, waren es im Jahr 1904 2.182, 1940 2.469 und 1971 bereits 6.373. Im sel­ben Jahr erfolg­ten der Zusam­men­schluss der Land­ge­mein­den Indling und Kühn­ham sowie der Markt­ge­mein­de Hart­kir­chen mit der Gemein­de Pocking und die Erhe­bung Pockings zur Stadt. Bedingt durch Flucht und Ver­trei­bung, fan­den in den Jah­ren nach dem zwei­ten Welt­krieg vie­le Fami­li­en aus den ehe­ma­li­gen deut­schen Ost­ge­bie­ten in Pocking eine neue Hei­mat. Wei­te­rer Zuzug erfolg­te durch Über­sied­ler aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on ab 1990. Die Pfar­rei stell­te sich seel­sorg­lich auf die ver­än­der­ten Gege­ben­hei­ten ein und errich­te­te 1974 ein Pfarr­zen­trum mit Pfarr­haus, Büro­räu­men, Pfarr­saal und Grup­pen­räu­men, die für das kirch­li­che Leben vor Ort geeig­ne­te Räum­lich­kei­ten bie­ten. Es wur­den Ver­ei­ne und Ver­bän­de ins Leben geru­fen, etwa der Cari­tas-Orts­ver­band, Orts­grup­pen der KAB und des Katho­li­schen Frau­en­bun­des. Orte des Glau­bens wol­len auch die kirch­li­chen Kin­der­gär­ten in der Pfar­rei sein. 

Text: Pfar­rer i. R. Dr. Oswin Rutz und Pfar­rer Chris­ti­an Thiel; Wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur: Sabi­ne Koma­rek-Moritz, Die Kir­chen der Pfar­rei Pocking und Schön­burg, Pas­sau 2003 (PEDA-Kunst­füh­rer Nr. 183/2003), 2 – 5; Sebas­ti­an Kai­ser, Pocking. Eine Rot­ta­ler Stadt erzählt aus ihrer Geschich­te, Pocking 1996.

Was den Men­schen aus­zeich­net, ist nicht, dass er Geschich­te hat, son­dern dass er etwas von sei­ner Geschich­te begreift.”

Carl Friedrich von Weizsäcker, 1912-2007